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Wie der Fiaker zu seinem Namen kam Heilige Fiacrius

Der Name leitet sich von dem irischen Einsiedler Fiacrius (610 - 670) her, der seine Heimat verließ, um in Einsamkeit Gott dienen zu können.

Er erhielt vom Bischof Faro von Méaux ein Waldstück, um in der Einsamkeit Gott zu dienen, nahe der Stadt und richtete sich eine Einsiedelei ein, die später zu dem Kloster Breuil Meaux wurde.

Die Legende berichtet, daß der Wald zu einem blühenden Garten wurde, als Fiacrius mit seinem Stab die Erde berührte.

Später wurde er heilig gesprochen und viel später in Paris eine Kirche, die Eglise de Saint Fiacre, sowie die dazugehörige Straße nach ihm benannt.

In dieser Rue de Fiacre existierte vor einem Gasthaus eine bildliche Darstellung des hl. Fiacrius

Im Jahre 1662 bot der Kaufmann und Pferdehändler Nicolas Souvage erstmals Pferdelohnwagen mit Kutschern in Paris in der Rue de Fiacre zur Vermietung an (In Paris fuhren beispielsweise um 1780 etwa 1600 numeriert Fiaker).

Der Heilige Fiacrius erhielt das himmlische Patronat über den neuen Berufsstand.

Und hier beginnt auch die Gesichte der Wiener Fiaker. Die Idee der Pariser Lohnkutscher wurde in Wien vor ca. 310 Jahren übernommen - und gegen 1720 bürgerte sich auch der Name "Fiaker" ein. Ein Fiaker besteht aus drei Teilen - den Pferden, der Kutsche und dem Fahrer.

Für den Wiener Fiaker ist er auch heute noch der Namenspatron.
 

Fiaker:

zweispännige Lohnkutsche, auch Bezeichnung des Lohnkutschers Fiaker
Das Substantiv wurde im 18.Jhd. aus frz. fiacre entlehnt, war bald aber nur noch in Österreich und Bayern gebräuchlich und wurde sonst von Droschke verdrängt.

Fr. fiacre geht wohl auf den Namen des Parisers Hotel St.Fiacre zurück, in dem im 17. Jh. das erste Vermietungsbüro für Lohnkutscher existierte.

Droschke: Droschke

Im Jahre 1811 führte der Dessauer Pferdehändler Alexander Mortgen (oder Mortier) in Berlin die „Warschauer „Droschken“ ein, die bereits in Petersburg und Warschau im Einsatz waren.

Das waren einspännige Wägen mit halben Verdeck für zwei Fahrgäste.

Morgen übernahm die Bezeichnung Droschken (russ. drozki „leichter Wagen, das zu russ. droga "Verbindungsstange" zwischen Vorder- und Hinterachse" gehört) und führte damit den Namen in den deutschen Sprachgebrauch ein.

Woher das Wort Kutsche kommt

Auch die Herleitung des Wortes “Kutsche” (engl. - coach, Franz. - coche) verdient Interesse.

Es war nämlich ein ungarischer Wagenbauer aus dem westungarischen Kocs, der im Jahre 1515 die Aufhängung des Wagenkastens im Chassis mittels Lederriemen ersann was eine ungemeine Steigerung des Fahrkomfort bedeutetet und den Reisenden die schlimmsten Erschütterungen ersparte.

Woher die Begriffe Trinkgeld und Schmiergeld kommen Wien

Als öffentliches Verkehrsmittel wurde die Postkutsche von Kaiserin Maria Theresia im 18. Jahrhundert eingeführt und die Reiseberichte jener Zeit klingen alles andere als romantisch: Mühsam und unbequem war die Fahrt, weil der Straßenzustand meist verheerend war, unsicher wegen häufiger Un- und Überfälle und “sauteuer” außerdem. Da der Kutscher oft durstig wurde und man nicht dauernd einkehren wollte, entwickelte sich statt der Einladung auf ein Getränk, das “Trinkgeld geben”. Dies beeinflußte je nach Höhe des Betrags auch die bessere Fahrweise des Kutschers Nicht nur die Kehle des wackeren Posthornbläsers mußte gut befeuchtet sein, auch die Wagenräder bedurften regelmäßiger Schmierung, wofür von den Reisenden das “Schmiergeld” eingehoben wurde. Eine Sitte, die heute noch, wenn auch in anderen Zusammenhängen, durchaus geläufig ist.

Geschichte der Fiaker

1693 erteilte Kaiser Leopold Kaiser Leopoldder I. die Lizenz für die erste Wiener "Lohnkutsche". Es handelte sich dabei um unkomfortable, ungefederte und schwer lenkbare zweispännige Kutschen, deren größte Konkurrenz vorerst die Sesselträger waren.

Zwar hatten die Fiaker anfangs gegen den Tragsesseln den Vorteil, daß sie über die Grenzen der Ringmauer hinausfahren durften, sie waren jedoch viel teurer als die Sänften, da die Pferdehaltung ins Geld ging. Ihr Nachteil war, daß der Komfort schwer zu wünschen übrig ließ. So war es nicht verwunderlich, daß das Geschäft der ersten Fiaker schleppend ging. Erst als die Entwicklung des Wagenbaus voranschritt - verbesserte Lenksysteme, die Federung des Engländers Henry Mill - steigerten sich auch die Umsatzzahlen der Lohnkutscher. Die von den Sesselträgern aufgebrachte Einladung "Trag' ma, Euer Gnaden?" wurde von den Kutschern in "Fahr' ma, Euer Gnaden" abgewandelt und immer öfter vom Fußgeher angenommen.

1702 wurde die erste Lohnkutschenverordnung erlassen.
Die bereits von Anfang an geforderten polizeilichen Auflagen legten fest, daß die Wagen numeriert werden mußten und die Kutscher fixe Preise zu verlangen hatten. Heldenplatz
Sie durften auch nur mehr innerhalb von 4 Meilen Fuhren annehmen. Dieses umgingen sie durch "Stapeln", wie sie das langsame Herumfahren auf der Suche nach Fahrgästen nannten. Das Stapeln kam auch nicht aus der Mode, als den Fiakern 1785 einige fixe Standplätze zugewiesen wurden.

An manchen Häuserecken sieht man heut noch niedrige, abgerundete Kanten. Diese entstanden durch das “Schnellfahren” der Fiaker, die damit den höheren Fahrpreis gegenüber den Sänftenträgern gerechtfertigt erscheinen lassen wollten und daher bei ihren, oft halsbrecherischen Fahrten, immer wieder Häuserecken beschädigten. Sie kamen aber auch den Herrschaftskutschen und privaten Equipagen des Adels ins Gehege, denen trotz ungeschriebenen Gesetz Vorfahrt zu geben war.
 

Erblickt man heutzutage einen Straßenkehrer Strassenkehrerglaubt man kaum, daß auch die Fiaker die Auslöser für diese städtische Dienstleistung waren. In den noch weitgehend umgepflasterten Straßen und Gassen war es damals üblich, den Unrat einfach vor die Tür zu schütten. Fiaker, Lohnkutscher und Einspänner gab es immer mehr - und damit stieg auch die Straßenverschmutzung und Geruchsbelästigung durch die Ausscheidungen der Pferde.
Am 12. Dezember 1738 wurde deshalb mit kaiserlichem Patent angeordnet, daß alle Hauseigentümer und Gewölbeinhaber - auch die in den Vorstädten - regelmäßig den Unrat der Straße vor ihren Häusern bzw. Gewölben zusammenzukehren hatten, damit der einmal pro Woche vorbeikommende Wagen des städtischen Unterkammeramtes den Unrat wegschaffen könnte.
Aber die Wiener spielten (kehrten) nicht mit. Also beschlossen die Stadtväter, nach dem Vorbild anderer Städte, eigene Straßenkehrer in Dienst zu nehmen.

1785 erhielten die Fiaker endlich zwei "offizielle" Standplätze Michaelerplatz- am Graben und am Michaelerplatz. Das änderte jedoch nichts am harten Konkurrenzkampf.

Die Fiaker hatten ihren eigenen Berufscodex entwickelt, trafen einander in Stammlokalen, hatten ihre eigene Innung und hielten gegenüber anderen zusammen. Die täglichen Auseinandersetzungen mit fremden Landkutschern, Sesselträgern und den eigentlich nur außerhalb der Ringmauer fahrenden Zeiselwagen-Kutschern, endeten zur Belustigung Vieler auch oft in Handgreiflichkeiten gewürzt mit dem typischen wienerischen Schimpfvokabular - (wahrscheinlich die erste öffentliche gratis Stehgreifbühne).
Eine starke und ernst zu nehmende Konkurrenz waren jedoch die eleganten, viersitzigen geschlossenen Janschky-Wagen, die mit livriertem Kutscher angeboten wurden. Besonders hochgestellte Persönlichkeiten und Adelige bevorzugten diese Wagen ohne Nummer und Aufschrift bei dezenten Rendezvous, mußten aber zeitgerecht bestellt werden.
 

Am 22. April 1824 wurde das "4-Meilen-Verbot" aufgehoben, gleichzeitig aber wieder einige neue Verbote kundgetan. Fiaker
Die Fackeln zum ausleuchten des Weges mußten nun wegen der Brandgefahr vor Ortschaften und in Wäldern gelöscht werden. Außerdem wurde es den Fiakern untersagt, an Häuserecken mit der Fackel gegen die Hauswand zu schlagen, daß die Funken nur so stoben, um auf sich aufmerksam zu machen.
Bei Zuwiderhandeln drohte den Kutschern körperliche Züchtigung, die Konfiszierung von Pferd und Wagen, eine Geldstrafe oder Arrest.

Fiaker war ein wichtiger und angesehener Beruf. Man mußte sich als guter Fahrer mit Charakter, Pferdekenntnis und Umgangsformen erweisen. Der Fiaker durfte keinen anderen Beruf haben. Während die Regeln streng waren, waren die Vorteile sehr groß. Sie mußten keinen Wehrdienst machen, und wenn ein Fiaker starb, konnte seine Witwe seine Stelle übernehmen.
 

Die Vorschriften der Fiaker war ganz streng. Wien Wenn ein Kutscher einen Fahrgast nicht annahm wurde er bestraft. Rauchen während der Fahrt war verboten. Wurde einem Fahrgast zu viel berechnet, wurde der Kutscher mit einen Tag im Gefängnis bestraft. Fuhr er zu schnell, wurde er sogar vom Polizisten öffentlich geohrfeigt oder geschlagen.

Wenn’s der “Gaudi” dient fanden die Wiener sogar Interesse an technischen Neuerungen. Wien hing bei modernen Verkehrsmitteln anderen Großstädten stets nach. In London fuhr bereits drei Jahre die U-Bahn, als in Wien gerade einmal die Pferdetramway eingeführt wurde.

1859 gab es durch die Aufhebung der zahlenmäßigen Beschränkung über 1.000 Fiaker als angesehener BerufFiaker. Doch die Bürger und Dienstboten gingen lieber zu Fuß, woran auch die Einführung der Pferdetramway 1865 nichts änderte. Für eine kurze Fahrt, die nur wenige Kilometer dauerte, zahlte man im Jahr 1875 10 - 12 Kreuzer, was einem Kilo Brot oder fast dem doppelten Stundenlohn eines Arbeiters entsprach.
Damals lebten in Wien ca. 700.000 Menschen. Neben der 10 Jahre alten Pferdetramway gab es 1.149 Fiaker, 1.352 Einspänner, 890 Stellwagen und 174 Stadtlohnwagen, wobei die Tramway bereits einen Anteil von 60 % am täglichen Personenverkehr zu verzeichnen hatte.

Ab 1903 begann die Verdrängung der Kutschen durch die Automobile. 1925 wurde sogar die ersten Autos für den traditionellen Blumenkorso in der Hauptallee im Prater geschmückt.

Nach dem zweiten Weltkrieg Amerikaner in Wien gab es nur mehr eine Handvoll Pferde in Wien. Die Wiener benutzten lieber die billigere “Bim”, und wer mehr Geld hatte nahm sich ein schnelles Taxi. Die Amerikaner der Besatzungsmacht waren die ersten Fahrgäste, die die Wiener Fiaker vor dem endgültigen Ende bewahrten. Danach kamen wieder Touristen ins Land. 1936 trabten 25 Zeugln durch Wien, 1967 waren es 32 und 1991 gab es 47, wobei noch weitere 34 Konzessionen vergeben waren, die jedoch aus Vernunfts- und wirtschaftlichen Gründen im Sinne der Fiakerunternehmer freiwillig nicht genutzt wurden.

Vom Personentransport zur Touristenattraktion umfunktioniert, wurden die Standplätze drastisch reduziert.

Fiaker Heute:

In den letzten Jahren wurde die "Pferdemist - Entsorgung" heiß diskutiert - eine Idee, die glücklicherweise bis jetzt im Sinne der Pferde, die nicht reden können, nicht realisiert wurde. Mistsack
Weiters mußten durch die “neuen Fiaker” sogar Kleider- und Benimm- Verordnungen und ein rechtlicher Schutz für Pferde und die Sicherheit der Kutschen eingeführt werden, da schon die Turnschuhe auf den Kutschböcken, lahme Pferde und nicht sicherheitsmäßige Kutschen Einzug gehalten hatten, was den "g'standenen" Fiakern ein Dorn im Auge war.

Nun sind es bereits ca. 150 Konzessionen Fiaker (mind. 300 Pferde), wovon jedoch dank der gesetzlichen Neuverordnungen durch die 58 Platzkarten jeden Tag ca. 184  Pferde amtlicherseits im Stall stehen müssen.


Vielleicht findet man jedoch eine Lösung damit die Fiaker, als eines der Wiener Wahrzeichen noch längere Zeit rufen können:
 

Fiaker - Wien

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